Historisches und Völkerkundemuseum
Dauerausstellungen bis Frühjahr 2013
Infolge der Museumssanierung, die vom August 2012 bis mindestens Ende 2013 dauert, sind grosse Teile der Dauerausstellung und das Kindermuseum geschlossen oder werden umgestaltet. Untenstehende Informationen sind daher nicht verbindlich. Erkundigen Sie sich im Zweifelsfalle bitte unter der
Tel. Nr. 071 242 06 42, welche Abteilungen der Dauerausstellung zur Zeit aktuell bzw. zugänglich sind.
Kulturgeschichte
Die Abteilung für Ur- und Frühgeschichte vermittelt Einblicke in das Leben von der Jungsteinzeit bis ins frühe Mittelalter. Gezeigt werden auch bedeutende Objekte von Fundstellen im Kanton St.Gallen, wie zum Beispiel aus den Siedlungen Montlingerberg (Rheintal) sowie Balmenrain/Eschenbach (Zürichsee-Walensee-Route).
In der Abteilung St.Galler Stadtgeschichte wird die Entwicklung der Stadt St.Gallen von den Anfängen (Gallus 612) bis ins 19. Jahrhundert dargestellt. Das nach dem weltberühmten St.Galler Klosterplan von 819 gebaute Klostermodell gibt einen guten Überblick über eine frühmittelalterliche Klosteranlage. Den Mittelpunkt des Stadtgeschichts-Saales bildet das grosse Modell des spätmittelalterlichen St.Gallens. Der Architekt Salomon Schlatter (1858 – 1922) hat es nach dem Stich von Matthäus Merian aus dem Jahre 1642 zur Eröffnung des «Neuen Museums» (1921) erstellt.
Eingebaute Repräsentations- und Wohnräume mit reicher Möbelausstattung bringen den Besuchern die Welt der bürgerlichen Oberschicht des 15. bis 19. Jahrhunderts näher. Der prachtvollste Raum ist jener des Fürstabtes Joachim Opser von 1580 aus seiner Residenz im Hof zu Wil.
Besonders sehenswert sind die zahlreichen altschweizerischen Kabinettscheiben aus der Zeit vom 15. bis 18. Jahrhundert im Glasgemälde-Kabinett und im ganzen Haus.
Der kirchlichen Kunst mit Exponaten vom 14. bis 18. Jahrhundert ist ein besonderer Raum gewidmet. Dort sind unter anderem auch Figuren der St.Galler Stadtheiligen Gallus, Otmar und Wiborada zu sehen.
Die Appenzeller und Toggenburger Volkskunst ist mit zahlreichen bedeutenden Zeugnissen vertreten. Zu erwähnen ist insbesondere die reich mit biblischen Szenen bemalte Prunkstube von 1790 aus dem Steigerhaus in Flawil.
Im Textilsaal wird die Geschichte der St.Galler Stickereiindustrie im 19./20. Jahrhundert anschaulich zur Darstellung gebracht. Die in diesem Raum gezeigten Kostüme vermitteln einen Eindruck von der sehr umfangreichen und bedeutenden Kostümsammlung des Historischen Museums St.Gallen.
Die militärhistorische Abteilung mit Waffen und Uniformen orientiert über die Verteidigungsanstrengungen der Stadt, der Fürstabtei und des Kantons St.Gallen. Besonders erwähnenswert sind die Burgunderfahnen des 15. Jahrhunderts, welche St.Galler Truppen als Beute von den Burgunderkriegen nach Hause brachten.
Die Ausstellung «Feuer und Licht» gibt einen Einblick in die Methoden des Feuerentfachens vom Feuerstein bis zum modernen Feuerzeug. Zudem wird die Entwicklung der Lichtträger vom Kienspan bis zur heutigen Stromsparlampe aufgezeigt.
Völkerkunde
In den Ausstellungsräumen weisen traditionelle Kleidungsstücke, Schmuck, Waffen und Gerätschaften, religiöse und rituelle Gegenstände sowie Kunstwerke aussereuropäischer Kulturen auf das Leben, die Religion und Kosmologie der Menschen unserer Erde hin.
- Totenkult und Schriftzeugnisse des alten Ägypten
- Masken und Skulpturen aus West- und Zentralafrika
- Bronzearbeiten aus dem Königreich Benin
- Kultische Objekte aus dem Pazifikraum und Australien
- Schnitz-, Flecht- und Perlenarbeiten, Federschmuck und Trachten der Indianer- und Inuitkulturen Nordamerikas
- Tongefässe, -figuren und -masken der präkolumbischer Kulturen Mittel- und Südamerikas
- Alltags-, und Kultgegenstände des alten China und Japan
- Hauseinrichtung und Keramik der islamischen Kulturen Nordafrikas und Vorderasiens
- Musikinstrumente und Götterfiguren Indiens
- Schmuck und Teppiche aus Zentralasien
- Bildrollen und Schattenspielfiguren aus Indonesien
Ausstellungsschwerpunkte:
VerWandlung – Alltag, Kunst und Religion bei
Amazonas-Indianern
Im ehemaligen «Antikenkabinett»wurde für die Völkerkunde der regionale Schwerpunkt Amazonien neu eingerichtet. Erstmalig werden im Historischen und Völkerkundemuseum zum Teil sehr alte sakrale und Alltagsgegenstände des südamerikanischen Tieflandes wie Federschmuck, Maskenanzüge, Blasrohre, Keramiken und Siebe aus eigenen Beständen präsentiert. Sie geben einen Einblick in die Verwandlungskünste, die Besonderheiten indigener Kunstfertigkeit sowie die Lebens- und Vorstellungswelt indigener Völker aus Brasilien, Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und Paraguay. Grossformatige Bilder veranschaulichen Alltag und Feste einiger indigener Gruppen.
Das andere Gesicht – Maskenspiel und
Heilritual in Sri Lanka
Sie sind farbenprächtig und unheimlich: Die Masken aus der Schenkung Thilo Walter Hoffmann sind für westliche Augen ein fröhlich-grotesker Augenschmaus. Für die Singhalesen des südlichen und südwestlichen Küstengebietes verkörpern sie unheilvolle Dämonen, die Krankheiten verursachen. Masken mit herausquellenden Augen und Übelkeit erregenden Gesichtszügen bilden den Hauptteil dieser weltweit bedeutenden Sammlung. Ein kleinerer Teil davon sind satirische und lustige Theatermasken, die früher beim buddhistischen Neujahrsfest und in Vollmondnächten auftraten. Lange vergessen und in den 1980er Jahren wiederbelebt sind diese gut hundertjährigen Theatermasken Zeugen alter Maskenspiele. Ganz anders die Heilrituale: Sie werden bis heute für einfache Dorfbewohner durchgeführt. In einem nächtlichen Spektakel treten maskierte Tänzer wild brüllend als krankheitsbringende Dämonen auf. In witzigen Dialogen thematisieren sie unkontrollierte Handlungen und Triebe, sodass der Patient sein Fehlverhalten erkennen und gesunden kann. Bevor die westliche Medizin ins hinterste Dorf vordrang, waren solche atemberaubenden Maskenaufführungen zu Heilzwecken an der «Tagesordnung» – darüber berichten die anderen Gesichter dieser Ausstellung, wie die Masken im Singhalesischen genannt werden.



